Was kostet die künstliche Befruchtung?

Für viele Paare gehört es zum Lebensglück dazu: ein gemeinsames Kind.

Es kann aber vorkommen, dass eine Schwangerschaft auf natürlichem Wege nicht zu erreichen ist und beispielsweise auch eine Adoption nicht infrage kommt. Dann ist für viele Paare eine künstliche Befruchtung die letzte Möglichkeit, eine Familie zu gründen.

Die Kosten liegen im Schnitt bei etwa 2.000,- bis 4.000,- Euro pro Versuch. Zusätzlich kommen unter Umständen noch einmal Arzt- und Medikamentenkosten auf Sie zu.

Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Sie eine Methode wählen, bei der eine Hormonbehandlung nötig ist.

Kostenfaktoren für eine künstliche Befruchtung

Die Kosten für die In-vitro-Methoden liegen im Bereich von ca. 2.000,- bis 4.000,- Euro pro Behandlung. Lediglich die intrazytoplasmatische Spermieninjektion kann mit 3.000,- bis 5.000,- Euro etwas teurer ausfallen.

Der größte Kostenfaktor ist letztlich die Anzahl der benötigten Versuche. Sind mehrere Versuche notwendig, ehe ein Erfolg erzielt werden kann, steigen damit natürlich auch die Kosten.

Grundsätzlich können sich die Kosten schnell auf 10.000 Euro oder mehr belaufen, da es häufig vorkommt, dass bis zu 3 oder 4 Versuche nötig sind, ehe die Befruchtung erfolgreich ist.

KostenfaktorKosten pro VersuchKosten bei drei Versuchen
Gesamt4.000,- bis 8.000,- Euro12.000,- bis 24.000,- Euro
Behandlung2.000,- bis 4.000,- Euro6.000,- bis 12.000,- Euro
Arztkosten1.000,- bis 2.000,- Euro3.000,- bis 6.000,- Euro
Medikamente1.000,- bis 2.000,- Euro3.000,- bis 6.000,- Euro
Alle Preise verstehen sich als grobe Richtwerte inklusive der Mehrwertsteuer und können selbstverständlich abweichen.

Kostenübernahme durch die Krankenkasse und finanzielle Unterstützung

Sofern ein Paar, das eine künstliche Befruchtung wünscht, gewisse Voraussetzungen erfüllt, gibt es Zuschüsse von Krankenkassen und vom Bund.

Sind die entsprechenden Voraussetzungen nicht gegeben, müssen Sie die Behandlung und alle zugehörigen Arzt- und Medikamentenkosten selbst tragen.

Die wesentlichen Voraussetzungen sind:

  • Die Frau darf nicht jünger als 25 Jahre und nicht älter als 40 Jahre sein.
  • Der Mann darf nicht jünger als 25 Jahre und nicht älter als 50 Jahre sein.

Für die Unterstützung durch die gesetzliche Krankenkasse muss das Paar außerdem verheiratet sein. Die Krankenkasse übernimmt dann 50 Prozent der Kosten bei maximal drei Versuchen.

Weitere Voraussetzungen sind häufig folgende:

  • Impfung gegen Röteln, Keuchhusten und Windpocken
  • negativer HIV-Test
  • Es gibt keine andere Möglichkeit, den Kinderwunsch zu erfüllen
  • Sowohl Samen- als auch Eizellen stammen von den Ehepartnern

Zuständig ist die Krankenkasse des Partners, der Grund für die Kinderlosigkeit ist. Um dies zu ermitteln, sind Voruntersuchungen erforderlich, die meist von den Kassen vollständig übernommen werden.

Es gibt einige Krankenkassen, die für die künstliche Befruchtung selbst dennoch mehr als die genannten 50 Prozent der Kosten decken. Diese sind aktuell unter anderem folgende (Stand August 2018):

  • AOK (Hessen, Sachsen-Anhalt)
  • BIG direkt gesund
  • DAK Gesundheit
  • HEK – Hanseatische Krankenkasse
  • hkk Krankenkasse
  • IKK (Brandenburg und Berlin, classic, Südwest)
  • KKH Kaufmännische Krankenkasse
  • Knappschaft
  • mhplus Krankenkasse
  • TBK (Thüringer Betriebskrankenkasse)
  • Techniker Krankenkasse
  • VIACTIV Krankenkasse
  • Verschiedene Betriebskrankenkassen (u.a.: BKK Faber-Castell & Partner, BKK Melitta Plus, BKK Pfaff, BKK RWE, BKK VBU, BKK exklusiv, BKK Akzo Nobel Bayern, Bahn-BKK, BKK firmus, Bertelsmann BKK, WMF BKK)

Bei privaten Krankenkassen können die Reglungen gänzlich anders sein. Informieren Sie sich also vorab genau über Ihre Möglichkeiten.


Zusätzlich zur Unterstützung durch die Krankenkasse werden Paare vom Bund unterstützt, wenn sie in einem Bundesland leben, das eine entsprechende Förderung anbietet.

Diese Bundesländer sind:

  • Berlin
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Niedersachsen
  • Sachsen
  • Sachsen-Anhalt
  • Thüringen

Für Zuschüsse durch den Bund müssen Paare nicht unbedingt verheiratet sein.

Der Bund fördert bis zu 25 Prozent des Eigenanteils. Die Höhe ist abhängig von den Bestimmungen des jeweiligen Bundeslandes.

Kostenbeispiel

Anna Müller, 28 Jahre alt, und Peter Müller, 33 Jahre alt, sind seit einigen Jahren unfreiwillig kinderlos. Sie wünschen sich Nachwuchs und wollen dafür die In-vitro-Fertilisation in Anspruch nehmen.

Es sind drei Behandlungen à 3.500,- Euro notwendig, ehe Anna schwanger wird. Dies ergibt eine Gesamtsumme von 10.500 Euro.

Da die beiden verheiratet sind und alle Voraussetzungen erfüllen, bezuschusst sie ihre Krankenkasse mit 50 Prozent, womit ein Eigenanteil von 5.250,- Euro verbleibt.

Das Paar lebt in Berlin, wo die künstliche Befruchtung auch durch den Bund gefördert wird. 800,- Euro werden ihnen zusätzlich erstattet.

Insgesamt müssen Anna und Peter Müller also noch 4.450,- Euro aus eigener Tasche bezahlen.

Die künstliche Befruchtung steuerlich absetzen

Unter Umständen können Sie eine künstliche Befruchtung auch als außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend machen.

Dies ist dann möglich, wenn die Behandlung zur künstlichen Befruchtung zum einen den Berufsordnungen der Ärzte und zum anderen dem Embryonenschutzgesetz nicht widerspricht.

Maßgeblich dafür kann beispielsweise die Anzahl der befruchteten Eizellen sein.

Methoden der künstlichen Befruchtung

Es gibt mehrere Möglichkeiten für eine künstliche Befruchtung. Die gängigsten sind dabei jene, in denen Samen- und Eizellen in einer Petrischale oder einem Reagenzglas zusammengeführt werden, die also außerhalb des Körpers stattfinden.

In-vitro-Fertilisation

Bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) werden eine Spermienprobe des Mannes und mehrere Eizellen der Frau in einer Petrischale zusammengeführt. Sofern eine Befruchtung stattgefunden hat, bilden sich Embryonen, wovon ein oder mehrere wieder in die Gebärmutter eingesetzt werden.

Für diese Methode ist vorab eine hochdosierte Hormonbehandlung der Frau notwendig, sodass mehrere befruchtungsfähige Eizellen zur Verfügung stehen. Diese kann körperlich sehr anstrengend sein und je nach Notwendigkeit mehrerer Versuche auch lange anhalten.

Die ganze Behandlung zieht sich über mehrere Wochen. Die Einnahme von Hormonpräparaten erfolgt bis zu 14 Tage bevor die Eierstöcke so stimuliert werden, dass sie mehrere befruchtungsfähige Eizellen hervorbringen. Der ganze Prozess wird ärztlich überwacht.

Wenn die Eizellen so weit sind, wird der Eisprung eingeleitet. Dies findet meist etwas über eine Woche nach Beginn der Stimulation statt.


Anschließend werden die Eizellen entnommen. Nun wird auch eine Spermienprobe des Mannes benötigt, um beides in einer aufbereiteten Samenflüssigkeit zusammenzuführen.

Nach erfolgreicher Befruchtung werden die Eizellen in einem Brutschrank weiterentwickelt. Nach zwei bis sechs Tagen werden ein bis höchstens drei der Embryonen in die Gebärmutter eingesetzt.

Bei mehreren Embryonen besteht daher auch eine erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaften.

Insgesamt liegt die Geburtenrate aber nicht höher als 20 Prozent pro Versuch. Daher werden in der Regel mehrere Versuche notwendig.

In-vitro-Maturation

Die In-vitro-Maturation (IVM) stellt eine Alternative zur In-vitro-Fertilisation dar, bei der keine Hormonstimulation vorab durchgeführt werden muss. Der Unterschied besteht in erster Linie darin, dass für die IVF reife Eizellen benötigt werden, während bei einer IVM mit unreifen Eizellen gearbeitet wird.

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion

Sollten mehrere Versuche der IVF gescheitert sein, oder die Spermienqualität des Mannes schlecht sein, bietet sich eine intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) an. Die Erfolgsquote ist hierbei im Vergleich zu anderen Methoden besonders hoch.

Das Spermium wird in das Zytoplasma einer Eizelle gespritzt.


Eine Weiterentwicklung dieser Methode stellt die intrazytoplasmatische Injektion morphologisch selektierter Spermien (IMSI) dar. Es findet eine genauere Analyse und Auswahl der Spermien statt, sodass die am besten geeigneten Spermien schließlich für die Injektion verwendet werden und damit höhere Erfolgschancen bieten.

Die Wahl der Methode sollte in jedem Fall vorab ausführlich mit dem behandelnden Arzt besprochen werden und richtet sich auch nach den Ursachen für die bisherige Kinderlosigkeit.

Künstliche Befruchtung ab 40 Jahren

Grundsätzlich ist eine künstliche Befruchtung auch dann noch möglich, wenn die Frau älter als 40 Jahre ist.

Zuschüsse von Krankenkasse oder Staat entfallen jedoch wegen der geringen Erfolgsaussichten.

Zwischen einem Alter von 40 und 45 Jahren sind die Erfolgschancen altersbedingt stark vermindert. Ab 45 Jahren ist eine erfolgreiche künstliche Befruchtung bzw. Schwangerschaft sogar als sehr unwahrscheinlich einzustufen.

Gesetzliche Rahmenbedingungen bei einer künstlichen Befruchtung

Die künstliche Befruchtung in Deutschland grundsätzlich erlaubt. Besonders, wenn Sie als Paar eine künstliche Befruchtung wünschen und Spermienprobe wie Eizellen jeweils von den Partnern stammen, steht Ihnen in dieser Hinsicht nichts im Wege.

Erlaubt sind außerdem auch anonymisierte Spermienproben, bei denen Spendersperma in Samenbanken tiefgefroren gelagert und bei Bedarf zur Verfügung gestellt wird.

Interessant ist dies für Paare, bei denen das Sperma des Mannes nicht verwendet werden kann, oder auch für lesbische Paare, die sich in einigen Kinderwunschzentren ebenfalls einer künstlichen Befruchtung unterziehen können.

Verboten ist hingegen die Eizellspende. Auch Leihmutterschaft ist hierzulande nicht erlaubt.

Viele Paare, die auf solche Optionen zurückgreifen möchten, gehen dafür ins Ausland.

Tipp: In unserem Artikel zum Thema „Was kostet ein Kind?“ bekommen Sie einen Überblick darüber, mit welchen weiteren Kosten Sie im Laufe der Zeit für Ihr Kind rechnen müssen.
Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren!

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