Was kostet ein Ehevertrag?

Ein Ehevertrag gilt gemeinhin als eher unromantisch, weil er vor allem die Verhältnisse nach einer potentiellen Scheidung regelt. Dennoch kann man eine Scheidung nie ausschließen und ein Vertrag, der vorab geschlossen wurde, erleichtert das Ganze erheblich. Nicht zuletzt richtet er zumindest keinen Schaden an, auch wenn er nicht zum Einsatz kommt.

Die Kosten für den Ehevertrag errechnen sich aus mehreren Faktoren:

  • Aus dem gemeinsamen Reinvermögen der Partner und den daraus berechneten Notarkosten
  • Eventuell die Beratung und die Erstellung des Vertrags durch einen Anwalt
  • Aus dem Umfang der im Vertrag zu regelnden Gegenstände

Konkret bedeutet das, dass keine pauschale Aussage getroffen werden kann. Außerdem wird ein Vertrag natürlich erheblich teurer, wenn Sie einen Anwalt hinzuziehen, was nicht zwingend notwendig ist. Für das Dokument selbst können Sie stattdessen einen Mustervertrag verwenden und Beratung erteilt Ihnen auch der Notar. Die Beratung ist kostenlos, wenn es später zur Beurkundung kommt, und um diese Kosten kommen Sie so oder so nicht herum.
Eine Beurkundung durch einen Notar ist gesetzlich vorgeschrieben.

Notarkosten

Die Notarkosten berechnen sich aus dem Reinvermögen beider Partner. Das bedeutet, es wird der Wert aller Vermögensgegenstände und des Guthabens abzüglich eventuell bestehender Schulden herangezogen. Auf dieser Grundlage gibt es eine Gebührentabelle, die Aufschluss über die standardisierte doppelte Notargebühr gibt. Es ist daher völlig egal, zu welchem Notar Sie gehen, die Gebühr ist überall die gleiche.

Ein Auszug aus der Gebührentabelle

ReinvermögenNotarkosten
10.000,- Euro150,- Euro
50.000,- Euro330,- Euro
100.000,- Euro546,- Euro
500.000,- Euro1.870,- Euro
1.000.000,- Euro3.470,- Euro



Zusätzlich zu diesen Gebühren können noch einmal 10,- bis 30,- Euro für Auslagen berechnet werden. In diesen Auslagen enthalten sind Kosten, die für den Notar für Telefon und Fax, Porto und an sonstigen Schreibauslagen anfallen.

Weiterhin wird die Umsatzsteuer von 19 Prozent noch zusätzlich erhoben.

Beispielrechnung bei einem Reinvermögen von 100.000,- Euro

KostenfaktorKosten
Gesamt685,44 Euro
Doppelte Notargebühr546,- Euro
Auslagen30,- Euro
Umsatzsteuer 19 Prozent109,44 Euro

Anwaltskosten

Entscheiden Sie sich dazu, einen Anwalt hinzuzuziehen, kommen weitere Kosten auf Sie zu. Unter Umständen kann es sogar sinnvoll sein, wenn jeder Partner einen eigenen Anwalt hat. 

Selbst wenn Sie das Dokument nicht vom Anwalt erstellen lassen, kommt für Sie vielleicht dennoch eine anwaltliche Beratung in Frage. Diese kostet in der Regel nie mehr als 190,- Euro plus Mehrwertsteuer. Anschließend kann Ihnen der Anwalt einen Kostenvoranschlag für einen Vertrag geben. Sollten Sie diesen annehmen, entfallen die Beratungskosten. Dafür kann der vom Anwalt aufgesetzte Vertrag recht teuer werden.
Die Kosten berechnen sich aus dem Gegenstandswert des Vertrags.
Bei einer vertraglich festgelegten Unterhaltszahlung eines Partners an den anderen in Höhe von monatlich 500,- Euro bemisst sich der Gegenstandswert aus dem Jahresbetrag. Der Gegenstandswert beträgt in diesem Fall also 6.000,- Euro. Daraus wiederum ergibt sich eine Anwaltsgebühr von etwa 1.200,- Euro.

Die Notarkosten fallen aber wie bereits erwähnt ohnehin an und müssen dann noch dazugerechnet werden.

Wofür ist ein Ehevertrag überhaupt gut?

Ein Ehevertrag kann sowohl vor der Hochzeit geschlossen werden, als auch zu jedem Zeitpunkt danach, zum Beispiel tatsächlich erst kurz bevor eine Scheidung ansteht. In diesem Fall ist es auf jeden Fall ratsam, mindestens einen Anwalt zu konsultieren.

Der Ehevertrag dient dazu, eigene Vereinbarungen bezüglich der Ehe und im Falle einer Scheidung zu treffen. Andernfalls gelten die gesetzlichen Vorgaben.

Ohne Ehevertrag befinden Sie sich automatisch in einer sogenannten Zugewinngemeinschaft. Diese regelt vor allem Unterhaltspflicht, Altersvorsorge und den Zugewinnausgleich. Gesetzlich vorgesehen ist es zum Beispiel, dass bei einer Scheidung das während der Ehe erwirtschaftete Vermögen gleichermaßen auf beide Partner aufgeteilt wird. Dies kann für einen Partner ein hohes finanzielles Risiko bedeuten, oder beide Partner sind sowieso in der Situation, dass sie darauf verzichten möchten. Dann können sie das in einem Ehevertrag regeln.

Grundsätzlich sollten Sie sich überlegen, ob für Ihre Verhältnisse die gesetzlichen Vereinbarungen ausreichend sind, oder ob Sie und Ihr Partner eigene Vereinbarungen treffen wollen.

Für wen ist ein Ehevertrag sinnvoll?

Da die gesetzlichen Vorgaben von einer klassischen Rollenverteilung ausgehen, bei der ein Partner Geld verdient und der andere Partner sich um Haushalt und möglicherweise Kinder kümmert, brauchen Sie in der Regel keinen Ehevertrag, wenn dies bei Ihnen zutrifft.



Sinnvoll wird ein Ehevertrag aber schon, wenn beide Partner ein Einkommen und keine Kinder haben. Dann kann die Gütertrennung vereinbart werden.

Aber auch bei einem erheblichen Vermögensunterschied kann in beiderseitigem Einvernehmen eine entsprechende Regelung getroffen werden.

Sollte einer der Ehepartner Unternehmer oder selbstständig sein, sollten Sie ebenfalls über einen Ehevertrag nachdenken, da der gesetzliche Zugewinnausgleich sämtliche Vermögenswerte bei der Aufteilung mit einbezieht. Dazu zählen auch Aktien und Immobilien. Ein Zugewinnausgleich kann einen Selbstständigen oder Unternehmer daher geschäftlich schädigen und in wirtschaftliche Schwierigkeiten bringen.

Ebenfalls lohnt sich ein Ehevertrag, wenn beide Partner unterschiedlichen Nationalitäten angehören, da in diesem Fall eventuell unterschiedliches Recht gilt. Daher können Sie in einem Ehevertrag mindestens festhalten, nach welchem Recht im Falle einer Scheidung verfahren werden soll.

Wann ist ein Ehevertrag unwirksam?

Ein Ehevertrag ist unwirksam, wenn einer der beiden Partner durch den Vertrag in hohem Maß benachteiligt ist.

Außerdem kann ein Ehevertrag unwirksam werden, wenn sich die Lebensumstände erheblich verändern.
Wird der Vertrag beispielsweise in der Annahme abgeschlossen, dass beide Ehepartner arbeiten und keine Kinder geplant sind und es kommt schließlich doch zu einem Kind, das das berufliche Zurückstecken eines Partners erfordert, können einige Regelungen unwirksam sein.

Es ist daher auch sinnvoll, den Vertrag immer wieder an die aktuellen Umstände anzupassen.

Ein Ehevertrag lässt sich jederzeit ändern. Nehmen Sie das gerne in Anspruch.

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