Was kostet ein Erbschein?

Ein Erbschein ist ein Dokument, das von einem Nachlassgericht ausgestellt wird, um die Erben zu definieren.

Der Erbschein gibt Auskunft darüber, wer Erbe ist und welchen Anteil er bekommt.

Dabei legt er die Erben nicht fest, sondern dient lediglich als Nachweis über die Erbfolge und damit zur Vorlage, wenn ein solcher Nachweis gefordert ist. Nicht in jedem Fall ist es notwendig, einen Erbschein zu besitzen.

Ein Erbschein wird daher nicht automatisch ausgestellt, sondern muss von einem – oder mehreren – Erben beantragt werden. Dies ist mit Kosten verbunden, die sich aus dem Nachlasswert berechnen.

Bei einem Nachlasswert von 50.000 Euro liegen die Gebühren beispielsweise bei etwa 330,- Euro.

Kosten für den Erbschein

Die Kosten für einen Erbschein sind nicht festgelegt. Sie richten sich nach dem Nachlasswert und werden anhand des Gesetzes über Kosten der freiwilligen Gerichtsbarkeit für Gerichte und Notare bestimmt.

Das bedeutet, dass für bestimmte Nachlasswerte jeweils eine Gebühr festgelegt ist. Für einen Erbschein wird in der Regel eine einfache Gebühr erhoben.

Im Normalfall müssen Sie dennoch mit der doppelten Gebühr rechnen, da meist eine eidesstattliche Versicherung von Angaben erforderlich ist, die zusätzlich ebenfalls mit einer einfachen Gebühr berechnet wird.

Auszug aus der Gebührentabelle für Notare (Stand August 2018):

ReinvermögenVolle GebührDoppelte Gebühr
10.000,- Euro75,- Euro150,- Euro
50.000,- Euro165,- Euro330,- Euro
100.000,- Euro273,- Euro546,- Euro
500.000,- Euro935,- Euro1.870,- Euro
1.000.000,- Euro1.735,- Euro3.470,- Euro

Um eine Aussage über die Kosten eines Erbscheins zu machen, müssen Sie also zunächst den Nachlasswert feststellen.

Der Nachlasswert errechnet sich aus allen Vermögenswerten des Verstorbenen. Das umfasst zum Beispiel finanzielle Rücklagen oder eventuelle Immobilien. Sollte der Verstorbene Schulden gehabt haben, werden diese wiederum vom Nachlasswert abgezogen.


Wenn Sie einen Erbschein beantragen wollen, können Sie sich auch an einen Notar wenden, der Ihnen beratend zur Seite steht und die Formalitäten für Sie übernimmt. In diesem Fall kommen natürlich zusätzliche Kosten auf Sie zu.

Wann Sie einen Erbschein brauchen

Bevor Sie einen Erbschein beantragen und dafür Geld ausgeben, sollten Sie prüfen, ob Sie ihn wirklich brauchen.

In der Regel ist das beispielsweise nicht der Fall, wenn ein Testament mit gerichtlichem Eröffnungsprotokoll vorliegt.

Auch bei vorhandener Konto- oder Vorsorgevollmacht ist ein Erbschein nicht unbedingt notwendig.

Liegt keinerlei Nachweis über die Erbfolge vor, und tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft, kann es sinnvoll sein, einen Erbschein zu beantragen.

Meist brauchen Sie allerdings erst einen Erbschein, wenn Sie aufgrund einer Erbschaft Änderungen beim Grundbuchamt vornehmen wollen.

Lediglich ein notarielles Testament kann in diesem Fall den Erbschein ersetzen. Manche Grundbuchämter bestehen aber auf einen Erbschein.

Auch wenn es um das Auflösen oder Umschreiben des Kontos eines Verstorbenen geht, wollen viele Banken einen Erbschein sehen.

Hier gilt ebenfalls: Liegen andere Nachweise vor, sollte dies nicht notwendig sein und Banken dürfen keinen Erbschein verlangen.

Prüfen Sie beispielsweise bei eventuell vorhandenen Vollmachten deren Wirksamkeit. Ist diese nach dem Tod des Erblassers noch gegeben oder tritt sie dann erst in Kraft, benötigen Sie keinen Erbschein.

An sich dient der Erbschein also in erster Linie zur Vorlage bei verschiedenen Behörden, um die Berechtigung für die Erben zu erhalten, über die Vermögenswerte des Verstorbenen zu verfügen.

Häufig ist dies nur der Fall, sofern kein anderes Dokument, das als Nachweis dienen kann, vorhanden ist.


Auch als Pflichtteilsberechtigter benötigen Sie in der Regel keinen Erbschein. Pflichtteilsberechtigt sind Sie, wenn Ihnen nach der gesetzlichen Erbfolge ein Anteil des Erbes zusteht, beispielsweise als Kind des Erblassers.

Übrigens: Selbst wenn Sie enterbt wurden, steht Ihnen innerhalb einer Frist von 3 Jahren die Hälfte des eigentlichen Erbanteils zu. Wussten Sie nichts vom Tod des Erblassers oder davon, dass Sie enterbt wurden, verlängert sich diese Frist auf 30 Jahre.

Inhalt des Erbscheins

Im Erbschein werden festgehalten:

  • Name, Geburts- und Sterbedaten, letzter Wohnsitz des Erblassers
  • Angaben zu den Erben (Namen, Geburtsdaten)
  • Höhe der Erbanteile
  • vom Erblasser festgelegte Einschränkungen und Bedingungen

Beantragen des Erbscheins

Um den Erbschein zu beantragen, wenden Sie sich an das Amtsgericht bzw. Nachlassgericht, das für den Wohnort des Verstorbenen zuständig ist.

Sie können den Antrag schriftlich stellen oder direkt hingehen.

Es wird unterschieden zwischen einem Alleinerbschein und einem gemeinschaftlichen Erbschein, wenn es mehrere Erben gibt.

Die Kosten hat der Antragsteller zu tragen. Bei einem gemeinschaftlichen Erbe sind alle Erben gleichermaßen berechtigt, den Erbschein zu beantragen, er kann also von einem Einzelnen, mehreren oder allen Erben beantragt werden.

Sind mehrere Erben beteiligt, müssen diese auch alle zu den Kosten beitragen.

Für den Antrag benötigen Sie einen Personalausweis oder einen Reisepass, um sich auszuweisen.

Angaben, die Sie machen müssen, aber nicht nachweisen können, erfordern eine eidesstattliche Versicherung.

Grundsätzlich kann der Antrag von Ihnen formlos abgegeben werden. Er muss allerdings folgende Angaben inklusive Nachweis enthalten:

  • den Todeszeitpunkt des Erblassers
  • Staatsangehörigkeit und Wohnsitz des Erblassers
  • Offenlegung der Verwandtschaftsverhältnisse, die zum Erbe berechtigen

Als entsprechende Nachweise dienen unter anderem:

  • Die Sterbeurkunde des Verstorbenen
  • Geburts- und Sterbeurkunden aller Erben und bereits verstorbenen Erben
  • evtl. Heiratsurkunden, um Beziehungen untereinander nachweisen zu können
  • die Adressen aller Erben

Weiterhin sind beispielsweise folgende Informationen erforderlich:

  • Größe des Erbteils
  • Erklärung über Annahme der Erbschaft
  • Erklärung, ob das Erbrecht des Antragstellers mit einem Rechtsstreit verbunden ist

Der Antrag kann jedoch nicht nur durch Sie, sondern zum Beispiel auch durch einen beauftragten Notar oder Rechtsanwalt erfolgen.


Antragsberechtigt sind verschiedene Personen, allen voran der oder die Erben.

Außerdem kann der Testamentsvollstrecker den Erbschein beantragen, sowie Nachlassverwalter und Nachlassinsolvenzverwalter und in manchen Fällen auch Gläubiger des Erben.

Wichtig zu beachten ist, dass Sie mit dem Antrag auf den Erbschein das Erbe anerkennen. Das bedeutet, dass Sie kein Widerrufsrecht mehr besitzen, mit allen Konsequenzen.

Unter anderem heißt das auch, dass Sie sämtliche Schulden des Erblassers annehmen, egal ob diese erst später bekannt werden!

Was, wenn doch noch ein Testament auftaucht?

Wenn bereits ein Erbschein ausgestellt wurde, aber zu einem späteren Zeitpunkt ein Testament auftaucht, das die Erbfolge anders regelt, muss das Nachlassgericht den Erbschein wieder einziehen.

Das hat aber keine rechtlichen Folgen für denjenigen, der bis dahin als vermeintlicher Erbe gehandelt und beispielsweise Vermögenswerte des Verstorbenen verkauft hat.

Wenn Sie also zum Beispiel ein Auto geerbt und weiterverkauft haben, sich aber später herausstellt, dass Sie gar nicht rechtmäßiger Erbe sind, bleibt der Verkauf rechtens und ohne Konsequenzen für alle Beteiligten.

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