Was kostet ein Testament?

Ein anstehendes Erbe kann unter den Hinterbliebenen oft für Streitigkeiten sorgen, vor allem wenn es um große Summen geht. Um das zu verhindern, ist es ratsam schon im Vorfeld ein Testament zu verfassen.

Entscheiden Sie sich für ein öffentliches bzw. notarielles Testament müssen Sie mit Notarkosten ab 150,- Euro rechnen.

Kosten für ein Testament im Überblick

Mit einem Testament regeln Sie Ihren Nachlass im Falle Ihres Todes. Sie legen fest, wer Ihr Vermögen zu welchen Teilen erbt. Sie haben dabei zwei Möglichkeiten. Zum einen können Sie ein eigenhändiges Testament, zum anderen ein öffentliches beziehungsweise notarielles Testament eröffnen.

Auch Minderjährige können ab 16 Jahren schon ein Testament erstellen. Das geht allerdings nur über einen Notar.

Öffentliches Testament

Das öffentliche Testament wird über einen Notar abgewickelt. Diese Vorgehensweise  hat den Vorteil, dass das Testament in jedem Fall rechtssicher formuliert ist.

Sie können Ihren letzten Willen direkt in einer Kanzlei mit Ihrem Notar besprechen oder zu dem Termin Ihre bereits verfassten eigenen Schriften mitbringen.


Die Kosten richten sich nach dem Wert Ihres Vermögens, das Sie zum Zeitpunkt der Testamentserrichtung besitzen. Dieses bezeichnet man als Geschäftswert.

Damit ist Ihr Reinvermögen gemeint, also die Summe aller Vermögensgegenstände und Guthaben, abzüglich eventueller Schulden. Es werden jedoch nur Schulden bis zur Hälfte des Aktivvermögens abgezogen.

Wie hoch die notarielle Gebühr in Abhängigkeit von Ihrem Geschäftswert ist, ist im Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) festgeschrieben.

Übersicht über Notarkosten für die Ausstellung eines Testaments gemäß GNotKG

Geschäftswert
Notarkosten
Einzeltestament
Notarkosten
gemeinschaftliches
Testament
1.000,- Euro22,61 Euro45,22 Euro
5.000,- Euro53,55 Euro107,10 Euro
10.000,- Euro89,25 Euro178,50 Euro
25.000,- Euro136,85 Euro271,70 Euro
30.000,- Euro148,75 Euro297,50 Euro
50.000,-Euro196,35 Euro392,70 Euro
80.000,-Euro260,61 Euro521,22 Euro
110.000,- Euro324,87 Euro649,74 Euro
200.000,- Euro517,65 Euro1.035,30 Euro
500.000,- Euro1.112,65 Euro2.225,30 Euro
Alle Preise verstehen sich als grobe Richtwerte inklusive der Mehrwertsteuer und können selbstverständlich abweichen.
Hinzu kommen die Kosten für weitere Auslagen.

Übersicht über Testament-Zusatzkosten

LeistungKosten
Gebühr für Registrierung beim Zentralen Testamentsregister15,- Euro
Verwahrung des Testaments beim Nachlassgericht75,- Euro
Schreibpauschalerund 20,- Euro
Dokumentenpauschale, weitere Ausgaben5,- bis 10,- Euro
Alle Preise verstehen sich als grobe Richtwerte inklusive der Mehrwertsteuer und können selbstverständlich abweichen.

Für ein Testament für eine Einzelperson wird diese Notar-Gebühr einfach erhoben, für ein Ehe-Testament doppelt.

Ehepaare müssen Ihr Testament nämlich nicht einzeln machen, sondern haben die Möglichkeit ein Ehe-, beziehungsweise gemeinschaftliches Testament zu errichten. Es tritt in Kraft, sobald beide Ehepartner unterschrieben haben.

Zum besseren Verständnis hier ein Beispiel:

Gerd und Brigitte möchten ein gemeinschaftliches Testament abschließen. Beide besitzen Aktiv-Vermögen in Höhe von 20.000,- Euro.

Allerdings haben die beiden zum Zeitpunkt des Testamentsabschlusses einen Kredit über 15.000,- Euro aufgenommen, um sich ein neues Auto zu kaufen. Diese Schulden werden bis zur Hälfte des Aktiv-Vermögens von selbigem abgezogen. Der Geschäftswert liegt somit bei 10.000,- Euro.

Die Notarkosten ohne Mehrwertsteuer betragen 150,- Euro. Der Notar berechnet weitere 7,- Euro für sonstige Ausgaben. Inklusive Mehrwertsteuer ergibt das einen Betrag von 186,83 Euro. Dazu kommen 15,- Euro für die Registrierung beim Zentralen Testamentsregister sowie 75,- Euro für die Verwahrungsgebühr.

Der Gesamtbetrag liegt demgemäß bei 276,83 Euro.

Eigenhändiges Testament

Diese Form des Testaments ist kostenlos. Sie müssen es selbst handschriftlich verfasst und persönlich unterschrieben haben. Nur so lässt sich die Echtheit des Dokuments überprüfen. Testamente, die am Computer abgetippt wurden, sind somit nicht gültig.

Denken Sie daran, Ihren Namen, den Ort und das zu Datum erwähnen, an denen Sie das Testament erstellt haben.

Sollten Sie einmal Ihr Testament erneuern oder einige Punkte ändern wollen, ist es ratsam, das neue Datum und den Ort zu vermerken. Eine aktuellere Version hebt die ältere Version immer auf.

Ihr eigenhändiges Testament können Sie selbstverständlich bei sich zu Hause aufbewahren.  Im Todesfall muss jedoch derjenige, der das Testament findet, umgehend zum Nachlassgericht gehen und dieses dort abgeben.

Andernfalls können Sie Ihr Testament aber auch beim Amtsgericht Ihres Wohnortes abgeben und verwahren lassen. Dies kostet Sie bundesweit einheitlich 75,- Euro.

Vergleich: öffentliches versus eigenhändiges Testament

Jede Art von Testament hat Vorteile, aber auch Nachteile. Nachfolgend sind die wichtigsten Punkte für Sie zusammengefasst.

 öffentliches Testamenteigenhändiges Testament
Vorteile
  • Beratung durch einen Fachmann
  • amtliche Verwahrung → Sicherheit, dass Testament nicht gefälscht wurde
  • ersetzt Erbschein

  • kann jederzeit & überall verfasst und geändert werden
  • keine Kosten
  • Verwahrung beim Amtsgericht

Nachteile
  • Notarkosten
  • Terminvereinbarung notwendig


  • Risiko hoch, dass Testament verloren geht bzw. unwirksam ist

Kosten für die Änderung eines Testaments

Für die Änderung eines eigenhändigen Testaments fallen logischerweise keine Kosten an. Das Testament kann entweder gänzlich neu aufgesetzt oder aber um die entsprechenden Punkte ergänzt werden. Auch Streichungen sind möglich.

Eine Rücknahme aus der amtlichen Verwahrung ist jederzeit gebührenfrei möglich. Dabei ist es nicht von Belang, ob es sich um ein öffentliches oder ein eigenhändiges Testament handelt.


Ein notariell erstelltes Testament kann nur durch einen Notar geändert werden. Händische Streichungen und Anmerkungen sind also nicht zulässig.

Bei der notariellen Änderung eines Testaments fallen dieselben Gebühren an, wie für eine Neuerstellung.

Inhalte eines Testaments

In Ihrem Testament legen Sie fest, wer Erbe wird, wer den Pflichtteil erhält oder wer von Ihren Angehörigen einen bestimmten Gegenstand bekommt. Sie sollten in jedem Fall klare und eindeutige Aussagen in Ihrem Testament treffen. So können Missverständnisse vermieden werden.

In Ihrem Testament sollten Sie auch Ersatzerben benennen. Außerdem können Sie auch einen Testamentsvollstrecker festlegen. Dieser hilft im Erbfall das Erbe zu verwalten und auch zu verteilen. Im Falle von Streitigkeiten soll dieser auch schlichten können.

Wichtig! Überschreiben Sie das erstellte Dokument mit den Worten “Testament” oder “Mein letzter Wille”. Andernfalls ist ihr Testament nicht eindeutig erkennbar und auch nicht gültig.

Wenn kein Testament vorliegt

Liegt kein Testament vor, so tritt die gesetzliche Erbfolge ein. Ihr Ehepartner ist demnach der nächste Erbe, gefolgt von Kindern und Enkeln. Wenn Sie wollen, dass nur Ihre Kinder Erben werden, dann ist es sinnvoll, rechtzeitig ein Testament zu eröffnen.


Insgesamt ist es ratsam, sich zunächst darüber zu informieren, wer nach der gesetzlichen Erbfolge was erbt und sich zu überlegen, ob Sie damit einverstanden sind oder nicht.

Eine Patientenverfügung mit einer Vorsorgevollmacht ersetzt kein Testament und legt keine Erbfolge fest. Mehr dazu erfahren Sie hier in unserem Ratgeber.

Kosten für die Anfechtung eines Testaments

Es gibt viele Gründe, ein Testament anfechten zu lassen. Dazu gehören beispielsweise verschiedene Arten von Irrtümern, Formfehler, Verdacht auf Fälschung oder Bedrohung des Testierenden sowie die Nichtbeachtung eines Pflichtberechtigten.

Wichtig! Das Testament kann nur von Erbberechtigten angefochten werden. Das muss innerhalb eines Jahres nach Kenntnisnahme des Testamentinhalts geschehen. Nach 30 Jahren verjähren sämtliche Erbansprüche.

Die Anfechtungserklärung ist entweder schriftlich oder mündlich beim zuständigen Nachlassgericht einzureichen. Wenn Sie ein Testament anfechten, müssen Sie Ihren Standpunkt beweisen, zum Beispiel durch Zeugenaussagen. Im Anschluss an Ihre Testamentsanfechtung werden alle Erbberechtigten von amtlicher Seite informiert.

Je nachdem, welche Punkte des Testaments angefochten werden, beziehungsweise aus welchen Gründen, wird das Dokument entweder teilweise oder vollständig für ungültig erklärt. In letzterem Fall tritt die gesetzliche Erbfolge ein.


Die Kosten für die Anfechtung eines Testaments setzen sich zusammen aus den Anwalts- und Gerichtskosten.

Der Anwalt berechnet Ihnen eine Gebühr des 0,5 bis 2,5fachen des Gegenstandswerts. Das ist in diesem Fall der Nachlasswert. Mehr zu den Anwaltskosten erfahren Sie hier. Die Gerichtskosten richten sich ebenfalls nach dem Nachlasswert und betragen die Hälfte der vollen Gebühr für den Gegenstandswert gemäß GNotKG.

Zum besseren Verständnis hier ein Beispiel:

Florian möchte das Testament seiner Oma anfechten lassen, da er sich sicher ist, dass ihr Pfleger ihre schwindende kognitive Leistungsfähigkeit ausgenutzt hat, um sich einen finanziellen Vorteil zu verschaffen.

Der Nachlasswert liegt bei 25.000,- Euro. Die Basisgebühr zur Berechnung der Anwaltskosten beträgt 788,- Euro. Florians Anwalt erhebt eine Geschäftsgebühr vom 1,3fachen der Basisgebühr. Somit betragen die Anwaltskosten 1.024,40 Euro, beziehungsweise 1.219,04 Euro nach Aufschlag der Mehrwertsteuer.

Der Basisbetrag für einen Gegenstandswert von 25.000,- Euro liegt gemäß GNotKG bei 115,- Euro. Die Gerichtskosten betragen die Hälfte dieses Werts, also 57,50 Euro.

Insgesamt kostet Florian die Anfechtung des Testaments 1.081, 54 Euro.

Sind die Kosten eines Testaments von der Steuer absetzbar?

Die Kosten, die beim Aufsetzen eines Testaments entstehen, können nicht steuerlich abgesetzt werden.

Eine Ausnahme besteht, wenn das Testament die Aufteilung von Einkunftsquellen regelt. Das ist beispielsweise der Fall, wenn ein Unternehmen oder Mieteigentum vererbt wird. In diesem Fall dürfen die Notarkosten als Werbungskosten geltend gemacht werden.

In manchen Fällen kommt eine Rechtsschutzversicherung für die Kosten der Ausstellung eines Testaments auf. Was so eine Versicherung kostet, erfahren Sie hier.

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