Was kostet eine Rechtsschutzversicherung?

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UNSER FACHEXPERTE IM BEREICH VERSICHERUNGEN: Bastian Kunkel
Bastian Kunkel ist mehrfach ausgezeichneter Versicherungsmakler (Jungmakler-Award 2017, Bildungspreis 2018) und spezialisiert auf den Privatkunden. In 2010 hat er seine Ausbildung als Kaufmann für Versicherungen und Finanzen abgeschlossen und in 2014 sein Studium Betriebswirtschaft und Recht (B.A.). Zudem führt er seit 2016 Deutschlands größten unabhängigen Versicherungs-YouTube-Kanal „Versicherungen mit Kopf“. Unter versicherungenmitkopf.de bieten er und seine Mitarbeiter kostenlose Online-Beratungen in verschiedenen Versicherungsbereichen an. Ein entsprechendes Video zum Thema finden Sie hier. Bei spezifischen Fragen zum Thema können Sie Bastian gern kontaktieren.

Nicht immer kann man voraussehen, ob und wann man einen Anwalt braucht, vielleicht sogar vor Gericht gehen muss. In solchen Fällen können hohe Kosten auf Sie zukommen, wenn Sie nicht vorbereitet sind.


Eine gute Rechtsschutzversicherung kann Ihnen finanziell so einiges ersparen. Zwar sind die Kosten mit im Durchschnitt 300,- Euro pro Jahr nicht unbedingt gering, liegen aber nur unwesentlich höher als ein einmaliges Beratungsgespräch bei einem Anwalt, das bereits mit 226,- Euro zu Buche schlägt.

Insofern kann es sich lohnen, über den Abschluss einer Rechtsschutzversicherung nachzudenken.

Kosten einer Rechtsschutzversicherung

Die Kosten für Ihre Rechtsschutzversicherung sind von vielen Faktoren abhängig. Zunächst einmal gibt es Preisunterschiede bei den einzelnen Versicherern.

Wesentlicher Kostenfaktor ist aber vor allen Dingen die Frage, welche Rechtsbereiche abgedeckt werden sollen.

Im Einzelnen können folgende Bereiche abgedeckt werden:

  • Privatrechtsschutz
  • Arbeitsrechtsschutz
  • Verkehrsrechtsschutz
  • Eigentum- und Mieterrechtsschutz
  • Vermieterrechtsschutz

Dabei ist zu beachten, dass sowohl der Bereich Arbeitsrechtsschutz als auch der Bereich Eigentum- und Mieterrechtsschutz nicht allein abgeschlossen werden können, sondern jeweils nur in Kombination mit dem Privatrechtsschutz.

Außerdem ist es günstiger, die Versicherung in Form von individuell zusammengestellten Kombinationspaketen abzuschließen, als jeden Bereich einzeln zu versichern.

Achtung! Sind Sie selbständig tätig oder führen ein Gewerbe, benötigen Sie einen speziellen Rechtsschutz. Dieser Artikel beschäftigt sich lediglich mit Rechtsschutz für Privatpersonen.

Die nachfolgende Tabelle bietet einen Überblick zu den durchschnittlichen Kosten je Rechtsbereich:

Übersicht über Kosten der Rechtsschutzversicherung nach Versicherungsbereich

RechtsbereichKosten pro JahrUngefähre Kosten pro Monat
Privat80,- bis 300,- Euro6,- bis 25,- Euro
Arbeit100,- bis 350,- Euro8,- bis 29,- Euro
Verkehr60,- bis 200,- Euro5,- bis 17,- Euro
Eigentum- und Mieterrecht150,- bis 350,- Euro12,- bis 29,- Euro
Alle Preise verstehen sich als grobe Richtwerte inklusive der Mehrwertsteuer und können selbstverständlich abweichen.

Wenn Sie alle Leistungsbereiche abgedeckt haben wollen, liegen die Kosten pro Jahr meist zwischen 200,- und 700,- Euro.

Entscheidend für die Beitragshöhe ist außerdem die im Vertrag festgelegte Selbstbeteiligung. Mit einer Selbstbeteiligung von 150,- bis 200,- Euro pro Rechtsfall liegen die Kosten pro Jahr häufig bei circa 300,- Euro für alle Rechtsbereiche.

Außerdem erhalten Sie bei vielen Versicherern einen Rabatt, wenn Sie Ihren Beitrag jährlich statt monatlich bezahlen.

Weitere Faktoren, die die Beitragshöhe beeinflussen können, sind beispielsweise Ihr Familienstand und Ihre berufliche Situation.

Zum besseren Verständnis hier zwei Praxisbeispiele:

Stefan ist 40 Jahre alt und genau wie seine Frau Angestellter. Er möchte sich und seine Familie rechtsschutzversichern. Er wählt neben der privatrechtlichen Versicherung die Bausteine “Wohnen” und “Beruf”.

Er möchte außerdem nicht mehr als 150,- Euro Selbstbeteiligung zahlen und keine Wartezeit von mehr als drei Monaten.

Die passenden Tarife, die Stefan findet, bewegen sich zwischen rund 220,- und 500,- Euro jährlich.

Ralf ist Rentner und möchte nur sich selbst versichern. Zum Rechtsbereich “Privat” wählt er den Baustein “Verkehr”. Er ist bereit bis zu 300,- Euro Selbstbeteiligung zu übernehmen.

Ralf kann zwischen Angeboten mit Jahresbeiträgen zwischen 150,- und 300,- Euro auswählen.

Die Rechtsbereiche der Rechtsschutzversicherung

Wie bereits erwähnt, können Sie Ihre individuelle Rechtsschutzversicherung aus folgenden Bereichen zusammenstellen:

Der Privatrechtsschutz deckt Schadensersatzansprüche ab, sowie Ordnungswidrigkeiten, Steuer- und Vertragsrecht. Er ist zwingend erforderlich, wenn Sie außerdem den Bereich Arbeitsrechtsschutz und/oder den Bereich Eigentum- und Mieterrechtsschutz abdecken wollen.

Der Baustein Arbeitsrechtsschutz betrifft Streitigkeiten bei der Arbeit, so zum Beispiel, wenn Sie eine Kündigung anfechten möchten. Der Eigentum- und Mieterrechtsschutz kommt beispielsweise dann zum Einsatz, wenn Sie Einspruch gegen eine Mieterhöhung erheben wollen oder es zu Streitigkeiten mit Ihren Nachbarn kommt.


Eine Verkehrsrechtsschutzversicherung bietet sich immer an. Im Straßenverkehr kann schnell etwas passieren, das zu Streitigkeiten führt. Sie haben hier in der Regel die Möglichkeit, ein bestimmtes Fahrzeug zu versichern, oder Familienmitglieder und deren Fahrzeuge mit in die Versicherung aufzunehmen.

Die Versicherung greift nicht nur bei Streitigkeiten im Straßenverkehr, sondern auch bei anderen Angelegenheiten rund ums Fahrzeug, beispielsweise Unstimmigkeiten bei der Autoreparatur.

Die Verkehrsrechtsschutzversicherung kann auch einzeln abgeschlossen werden und ist in der Regel das günstigste Rechtsgebiet.

Neben den genannten, üblichen Rechtsgebieten gibt es weitere, die Sie zusätzlich abschließen können.

So können Sie den standardmäßigen Straf-Rechtsschutz erweitern, da dieser nicht mehr gilt, sobald der Vorwurf einer fahrlässig begangenen oder sogar vorsätzlichen Straftat besteht. Erweitern Sie den Straf-Rechtsschutz, erhalten Sie auch in diesen Fällen Leistungen von der Versicherung.

Werden Sie jedoch wegen vorsätzlicher Taten verurteilt, müssen Sie die Versicherungsleistungen zurückzahlen.

Beachten Sie, dass nicht alle Bereiche abgedeckt sind. In der Regel gilt für Erbstreitigkeiten sowie Scheidung, dass der Versicherer lediglich eine beratende Funktion einnimmt. Weitere Anwalts- und Gerichtskosten werden nur von wenigen Versicherern übernommen.


Daher kann es sich lohnen, zusätzlich einen Vorsorge-Rechtsschutz abzuschließen. In diesem Fall werden die Kosten für das Aufsetzen von Vorsorgevollmachten, Betreuungsverfügungen oder Patientenverfügungen sowie Testamenten übernommen.

Nicht automatisch abgedeckt ist auch die Mediation, die außergerichtliche Einigung.

Achten Sie also am besten vorab darauf, welche Leistungen enthalten sind und welche Sie zusätzlich in Anspruch nehmen möchten.

Leistungsumfang der Rechtsschutzversicherung

In den gewählten Rechtsbereichen übernimmt die Rechtsschutzversicherung in der Regel die Kosten für:

  • Anwalt und Gericht
  • Zeugen und Sachverständige
  • erstattungspflichtige Kosten der Gegenseite und deren Gebühren, sollten Sie den Prozess verlieren

Bei Strafsachen wird außerdem die Kaution bezahlt.

Nicht im Leistungsumfang enthalten sind – wie bereits erwähnt – vorsätzlich begangene Straftaten. Außerdem gilt kein Versicherungsschutz bei Klagen vor dem Verfassungsgericht oder internationalen Gerichtshöfen. Streitigkeiten mit der eigenen Rechtsschutzversicherung sowie Baumaßnahmen werden ebenfalls nicht übernommen.

Ebensowenig übernimmt eine Rechtsschutzversicherung Bußgelder und andere Strafzahlungen

Grundsätzlich gilt der Rechtsschutz mindestens auch im europäischen Ausland, häufig aber auch weltweit.

Darauf sollten Sie bei der Rechtsschutzversicherung achten

In jedem Fall empfiehlt es sich, die Versicherung frühzeitig abzuschließen, da sie vor allem als Vorsorge gedacht ist.

Beachten Sie in diesem Zusammenhang auch, dass viele Versicherungen keine Kosten von Streitigkeiten übernehmen, die vor Abschluss der Versicherung begonnen haben.

Außerdem gibt es in einigen Rechtsbereichen Wartezeiten, sodass ein Versicherungsschutz erst nach Ablauf dieser Wartezeit greift. Wenn Sie also eine Rechtsschutzversicherung abschließen, müssen Sie häufig noch mindestens 3 Monate warten, ehe Sie deren Leistungen in Anspruch nehmen können.

In Scheidungsfällen kann die Wartezeit sogar bis zu 3 Jahre betragen.

Wenn möglich und nötig, achten Sie also darauf, dass auch Schadenfälle vor Vertragsabschluss mitversichert sind.

Es empfiehlt sich auch, darauf zu achten, dass Schäden nach der Folgeereignis-Theorie in der Versicherung enthalten sind.

Denn es kann vorkommen, dass ein Schaden erst nach Abschluss der Versicherung eintritt, sie zu diesem Zeitpunkt also bereits versichert sind, dessen Ursache aber an einem Zeitpunkt davor liegt. Manche Versicherungen bezahlen dann nicht.

Tipp: Manchmal liegen Ursachen von Streitigkeiten schon Jahrzehnte zurück, insbesondere in privatrechtlichen Angelegenheiten. Einige Versicherungen enthalten die Klausel “Verzicht auf Einrede der Vorvertraglichkeit”.
Damit sind Sie auch bei Streitfällen abgesichert, die vor Vertragsabschluss entstanden sind. Welche Konditionen im Einzelfall gelten, sind von der jeweiligen Versicherung abhängig. Beispielsweise ist bei Wahl der Klausel in der Regel eine mehrjährige Vertragslaufzeit verpflichtend.

Prüfen Sie außerdem, ob Ihr Vertrag die Möglichkeit des Stichentscheids enthält. Es kann vorkommen, dass die Versicherung die Leistung verweigert, wenn Sie einer Rechtssache keine Erfolgsaussichten einräumt.

Mit dem Stichentscheid können Sie bei einem Anwalt ein Gutachten in Auftrag geben, um sich bestätigen zu lassen, dass ausreichende Erfolgsaussichten bestehen.

Überprüfen Sie vor Abschluss einer Rechtsschutzversicherung, ob Sie nicht in Teilbereichen bereits versichert sind. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Sie Mitglied in einem Automobilclub, einem Mieterverein, einem Berufsverband oder einer Gewerkschaft sind.

Auch mit einer privaten Haftpflichtversicherung besteht häufig bereits ein gewisser Rechtsschutz.

Übrigens: Sie können Familienmitglieder mitversichern. Dies beinhaltet Ehepartner sowie minderjährige Kinder, außerdem Kinder, die nicht mehr minderjährig sind, sich aber noch in einer Form der Ausbildung befinden und ledig sind.

Checkliste Rechtsschutzversicherung

Die wichtigsten Kriterien hier nochmal auf einen Blick:

  • Wie lang ist die Wartezeit?
  • Wie hoch ist die Selbstbeteiligung?
  • Wie hoch ist die maximale Deckungssumme?
  • Welcher Rechtsschutz besteht bereits durch andere Versicherungen?
  • Greift die Versicherung (sofern gewünscht) bei Erb- und Scheidungsfällen?
  • Können weitere Personen mitversichert werden?
  • Gibt es die Möglichkeit eines Stichentscheids und einer außergerichtlichen Einigung?
  • Erhalten Sie Rabatt bei Schadenfreiheit?
  • Welche Kündigungskonditionen gelten?

Sie sind sich noch nicht sicher, ob sich eine Rechtsschutzversicherung für Sie wirklich lohnt? Wie viel ein Anwalt kostet, erfahren Sie hier.

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