Was kostet eine Wurzelbehandlung?

Früher als einer der schmerzhaftesten Eingriffe gefürchtet, heute quasi schmerzfrei dank örtlicher Betäubung: die Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. Fast ein Drittel der Deutschen benötigen in ihrem Leben eine Wurzelbehandlung.

Je nach Aufwand fallen dafür zwischen 200,- und 1.500,- Euro an, die häufig von der Krankenkasse teilweise oder vollständig übernommen werden (mehr dazu weiter unten). Dazu kommen meist zusätzliche Kosten in Höhe von 50,- bis 250,- Euro pro Zahnwurzel.

Eine Wurzelbehandlung dient dazu, einen entzündeten Zahn zu erhalten. In der Regel ist das Zahnmark (auch Zahnnerv genannt) im Zahn abgestorben oder bakteriell entzündet. Die Ursache dafür ist meistens ausgeprägte Karies, kann aber auch ein starker Aufprall wie beispielsweise bei einem Unfall sein.

Manche Zahnärzte empfehlen auch, die Wurzelbehandlung durchführen zu lassen, bevor Zahnersatz wie z.B. eine Krone eingesetzt wird, um eine mögliche spätere Entzündung von vornherein zu vermeiden.


Ist die Zahnwurzel entzündet, so bewirkt dies eine Dehnung der Wurzelgefäße, die dann auf dem Zahnnerv drücken. Dies geht mit sehr starken Zahnschmerzen einher. Auch Schwellungen können auftreten.

Wird das entzündete Gewebe nicht schnell entfernt, stirbt der Zahnnerv ab. Hier ist Vorsicht geboten: Zwar klingen damit die Schmerzen ab, jedoch kann sich die Entzündung auf das Kiefergewebe ausbreiten und im Extremfall sogar Herz oder Gehirn befallen.
Daher scheuen Sie sich nicht bei starken Zahnschmerzen sofort einen Zahnarzt aufzusuchen. Für Angstpatienten gibt es auch spezialisierte Ärzte, die Ihnen kompetent weiterhelfen können.

Bei der Wurzelbehandlung wird das infizierte Zahnmark entfernt, der Wurzelkanal ausreichend desinfiziert und anschließend wieder mit einer Füllung verschlossen.

Vorteil nach dem Eingriff ist, dass der behandelte Zahn nun weder wärme- noch kälteempfindlich ist.

Die einzige Alternative zur Wurzelbehandlung bei einer entzündeten Zahnwurzel ist das Ziehen des Zahns.

Die Kostenfaktoren der Wurzelbehandlung im Überblick

Die Zahnwurzelbehandlung kostet in der Regel zwischen 200,- und 1.500,- Euro je nachdem, wie schwierig der Eingriff ist, welche anatomischen Eigenschaften vorhanden sind und wie fortgeschritten die Entzündung ist.

Ein Eigenanteil für Zusatzoptionen (mehr dazu weiter unten) kann hinzu kommen. Diese kosten Sie pro Wurzel zwischen 50,- und 250,- Euro. Dabei müssen Sie bedenken, dass ein Backenzahn allein 3 bis 4 Wurzeln hat.

Bezeichnungungefähre Kosten
Wurzelbehandlung (Grundbehandlung)200,- bis 1.500,- Euro je Zahn
Zusatzoptionen der Wurzelbehandlung50,- bis 250,- Euro je Zahnwurzel
Alle Preise verstehen sich als grobe Richtwerte inklusive der Mehrwertsteuer und können selbstverständlich abweichen.

Lassen Sie sich am besten vorher einen Kostenvoranschlag geben und klären Sie mit Ihrer Krankenkasse und dem behandelnden Zahnarzt genau ab, welche Kosten übernommen werden und welche selbst zu tragen sind.
Der Arzt darf Leistungen nur privat abrechnen, wenn er Ihnen dies vor der Behandlung mündlich oder schriftlich mitgeteilt hat und es sich um Leistungen handelt, die die Krankenkasse nicht trägt.


Sind Sie sich nicht sicher, ob die Rechnung, die Sie bekommen haben, rechtens ist, so wenden Sie sich an den jeweiligen Zahnarzt oder bei Problemen an die Kassenärztliche Vereinigung oder die Zahnärztekammer und schildern Sie Ihre Lage.

Entscheiden Sie sich statt einer Wurzelbehandlung für das Ziehen des Zahns, so können hohe Folgekosten auf Sie zukommen. Die Kosten für das Ziehen werden zwar von der Krankenkasse getragen, jedoch können mehrere tausend Euro für das Ersetzen des fehlenden Zahns durch Zahnimplantate oder Brücken auf Sie zukommen. Insgesamt ist da die Wurzelbehandlung günstiger.

Wann zahlt die Krankenkasse die Wurzelbehandlung?

In der Regel kann festgehalten werden, dass die Kosten für eine Wurzelbehandlung dann von der Krankenkasse übernommen werden, wenn die Chance besteht, dass der Zahn erhalten werden kann. Das bedeutet, dass der Zahnarzt den Zahn bis zur Spitze aufbereiten (also behandeln und wieder füllen) können muss. Eine vollständige Entfernung der Entzündung muss möglich sein.

Ob ein Zahn erhaltungswürdig ist, bestimmt dann Ihr Zahnarzt, da Laien die Erfolgsaussichten kaum beurteilen können. Bitten Sie bei Unsicherheiten gegebenenfalls einen anderen Zahnarzt um eine Zweitmeinung.

Für die Wurzelbehandlung an Backenzähnen gibt es besondere Voraussetzungen. Hier wird die Leistung nur dann bezuschusst, wenn eine oder mehrere der folgenden Bedingungen erfüllt sind:

  • Es wird durch die Wurzelbehandlung eine einseitige Freiendsituation verhindert, also dass auf einer Seite die letzten Backenzähne fehlen.
  • Der zu behandelnde Backenzahn steht in einer vollständigen Zahnreihe, die ansonsten gesund ist.
  • Bereits vorhandener Zahnersatz würde ohne Wurzelbehandlung verloren gehen, weil beispielsweise der Zahn, an dem eine Brücke hängt, entzündet ist und alternativ gezogen werden müsste.

Bild von Zahnwurzelbehandlung

Die Kosten für eine Wurzelrevision – also eine erneute Wurzelbehandlung – werden nur in Ausnahmefällen von der Krankenversicherung erstattet.

Übrigens: Zahnzusatzversicherungen zahlen in den meisten Fällen keine Zuschüsse für die Wurzelbehandlung. Fragen Sie hierzu trotzdem vorsichtshalber bei Ihrer Versicherung nach.

Welche Zusatzkosten können bei einer Wurzelbehandlung anfallen?

Die Gebührenordnung für Zahnärzte ist äußerst komplex und so kann man nicht genau sagen, wann welche Kosten anfallen und ob sie übernommen werden.

Jedoch gilt die Regelung, dass besonders komplizierte und teure Behandlungen (beispielsweise bei gekrümmten Zahnwurzelkanälen) nicht oder nur teilweise von der Krankenkasse unterstützt werden. Auch bei Komplikationen wird die Krankenkasse selten zahlen. Hier fällt meist ein Eigenanteil an, der vom Einzelfall abhängt. Bei besonderen Härtefällen kann dieser bis zu 600,- Euro betragen.

Sind die Erfolgsaussichten schlecht, so kann es auch passieren, dass die Krankenkasse den Eingriff überhaupt nicht finanziell unterstützt und Sie alle notwendigen Kosten selbst tragen müssen.

Die gesetzlichen Krankenkassen tragen insgesamt jedoch nur ein Mindestmaß an zahnärztlicher Versorgung während der Wurzelbehandlung, also das Aufbohren, Desinfizieren und Auffüllen.

Weitere moderne Behandlungstechniken, wie elektrometrische Wurzellängenmessungen, eine Operation unter dem Mikroskop, elektrophysikalisch-chemische Spülungen zur besseren Desinfektion sowie thermisch erwärmte Wurzelkanalfüllungsmaterialien werden nicht von den gesetzlichen Krankenkassen getragen und müssen selbst übernommen werden.

Diese Maßnahmen können aber durchaus sinnvoll sein. Lassen Sie sich hier von Ihrem Zahnarzt beraten. Es sind pro Zahnwurzel zwischen 50,- und 250,- Euro für solche Zusatzbehandlungen üblich.

Private Krankenkassen sind hier oft kulanter und bezuschussen häufig auch einige solcher weiterführender Maßnahmen.

Bild von Arztgespräch vor Wurzelbehandlung

Ablauf der Zahnwurzelbehandlung

Zunächst werden Sie in einem einleitenden Gespräch mit dem Zahnarzt über Risiken aufgeklärt. Die Erfolgsaussichten sowie die verschiedenen Schritte des Eingriffs werden erläutert und Sie können Fragen stellen. Mögliche Wünsche zu Zusatzbehandlungen sollten hier bereits geäußert werden, sodass keine Missverständnisse entstehen.

Ist der Zahnnerv noch nicht abgestorben, so wird er örtlich betäubt, was die Operation weitestgehend schmerzfrei gestaltet. Gegebenenfalls muss die Betäubung nach ein paar Minuten wiederholt werden.

Anschließend bohrt der Zahnarzt die Wurzelkanäle auf und legt somit den Zahnnerv im Zahninneren frei. Dieser wird entfernt.

Mithilfe eines Röntgenbildes kann die Länge des Wurzelkanals bestimmt werden.


Der Wurzelkanal wird nun mithilfe des Bohrers sowie speziellen Feilen gereinigt und danach desinfiziert.

Anschließend wird der entstandene Hohlraum im Wurzelkanal wieder verschlossen. Dies kann in derselben Sitzung erfolgen oder – je nach Ausmaß der Entzündung – auch in einer zweiten Behandlungssitzung durchgeführt werden.
Sind mehrere Sitzungen nötig, so wird der Zahn bis zur nächsten Behandlung mit einer medikamentösen Einlage versorgt.

Nach der abgeschlossenen Behandlung kann dann die korrekte Länge der Wurzelkanalfüllung noch einmal im Röntgen überprüft werden (Zusatzleistung). Der Zahn wird in jedem Falle mit einer Füllung wieder verschlossen.

Die Wurzelbehandlung dauert meist ein bis zwei Sitzungen mit je ein bis zwei Stunden. Bei anatomischen Besonderheiten ist mehr Zeit einzuplanen.

Da der Zahn ohne den Zahnnerv nicht mehr durchblutet wird, verliert er mit der Zeit an Substanz und wird brüchig. Eine ausreichende Nachbehandlung ist dazu unerlässlich.

So kann sowohl ein Wurzelstift als auch eine Krone helfen, die Stabilität des Zahns lange zu bewahren.

Risiken und Besonderheiten der Wurzelbehandlung

Etwa zwei bis drei Tage nach der Behandlung sind Schwellungen, leichte Schmerzen oder Beschwerden beim Kauen nicht unüblich. Sollten diese Beschwerden jedoch länger andauern, so suchen Sie bitte einen Arzt auf.

Unverträglichkeitsreaktionen wie Hautausschlag oder Juckreiz können zudem auftreten, klingen aber schnell wieder ab.

Selten kann es passieren, dass die sehr filigranen Behandlungsinstrumente im Wurzelkanal zerbrechen oder ein Zahn durchbohrt wird. Hier werden weiterführende Behandlungen nötig.

An sich hat die Wurzelbehandlung eine äußerst hohe Erfolgsquote. Trotzdem wird immer wieder von mangelhaften Wurzelbehandlungen in Deutschland berichtet.
Das kann daran liegen, dass der Eingriff besonders komplex ist und der Zahnarzt ausreichend Erfahrung, die passende Ausbildung und eine ruhige Hand braucht.

Auch die zeitlichen Rahmenbedingungen spielen eine große Rolle. Werden bloß die Grundleistungen des Kassentarifs in Anspruch genommen, so hat der behandelnde Arzt nur eine gewisse Zeit, die Wurzelbehandlung durchzuführen, was teils auch zu Fehlern und Ungenauigkeiten führen kann.

Darum ist es empfohlen, für Ihre eigenen Gesundheit lieber etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen, um eine erfolgreiche Behandlung zu unterstützen. Wenden Sie sich zudem am besten an einen anerkannten Spezialisten für Endodontologie.

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